Archive for September, 2007
Wikipedia goes Vertrauen
Im “The New Scientist” (issue 2622, S. 28/29) schreibt Jim Giles über die Einbindung des Vertrauensaspekts in Wikipedia. Der Artikel ist auch hier zu lesen. Von Jimmy Wales war ja bereits im letzten Monat zu hören / lesen, dass die deutsche Wikipedia eine Art Review-Verfahren erhalten soll. Kerngedanke ist:
“We want to let anybody edit, but we don’t want to show vandalized versions.”
Ziel ist es also, den Lesern möglichst qualitativ hochwertige Artikel-Versionen anzubieten, die nicht von Vandalismus gekenntzeichnet sind. Das soll über ein Reputations-System funktionieren, welches von der Universität Californien stammt. Dabei werden die verschiedenen Textstellen unterschiedlich intensiv orange eingefärbt, wie man hier an einer Demoseite sehen kann. Die Färbung steht für das “Vertrauen”, das der Algorithmus für die Textstelle berechnet hat. Die errechnet sich laut dem Paper “A Content-Driven Reputation System for the Wikipedia” hauptsächlich aus der Reputation des Autors zu einer bestimmten Zeit selbst und aus den Reputationen der anderen an dem Artikel beteiligten Autoren. Eine 44-seitige Präsentation von der Wikimania 2007 zu dem Thema gibt es ebenfalls.
Die deutsche Wikipedia, als zweitgrößte, wird das Testgelände sein. Man darf gespannt sein, wie die Anzeige des automatisch ermittelten “Text-Vertrauens” bei den Nutzern ankommt. Auch wenn die Reputationsmaße nicht veröffentlicht werden sollen, so führt doch die (automatische) Unterscheidung der Autoren in “sehr gute” und “weniger gute” definitiv in eine hierarchische Wikigesellschaft - und wie sich das mit dem kollaborativen Gedanken verträgt bleibt abzuwarten.
All authors are equal, but some authors are more equal than others.
No commentsZurück aus Bamberg
Letzten Freitag und Samstag fand der Workshop “Das neue Netz” (dnn2007) im Bamberg statt. Die Veranstaltung war eine gelungene Mischung aus Vorträgen und anschließendem Freiraum für Diskussionen. Ich will hier nicht die einzelnen Slots oder Themenpunkte zusammenfassen. Das macht Tina Guenther bereits sehr schön (wie auch Theo bemerkt) und auf http://www.dasneuenetz.de sind auch alle Folien online einzusehen.
Interessant war neben den einzelnen thematischen Vorträgen zum neuen Netz vor allem die gewisse Ratlosigkeit beim WrapUp des ersten Tages, was denn nun das neue Web 2.0 sei. Dabei wurde von einigen für die Abschaffung des Hype-Begriffs für die Forschung plädiert, eine technische Beschreibung wurde versucht und einige andere mit und ohne unterschiedliche Aspekte. Klar wurde dabei vor allem: Was das neue Netz (wenn es überhaupt das web 2.0 ist) denn eigentlich aus wissenschaftlicher Perspektive ist, ist eigentlich niemandem so richtig deutlich. Ich denke hier sollte auf jeden Fall ein Versuch unternommen werden, das Phänomen auch definitorisch zumindest einzugrenzen. Abends beim Bier kam die Idee auf, jeder dürfe ein kleinen Beitrag in Form eines Wortes dazu leisten. Vielleicht ist das gar keine so schlechte Idee - oder es zeigt sich, dass auch das web 2.0 im Auge des Betrachters liegt. :)
Neben dem “neuen Netz” waren wichtige Themen des Workshops Vertrauen und Netzwerke. Das freut mich natürlich, weil ich beides in meiner Dissertation miteinander verbinden will. Leider wurden beide Begriffe häufig mit einem sehr alltäglichen Verständnis genutzt, was hier und da die Kommunikation erschwerte und zu Verwechslungen führte (”mein Vertrauen ist gar nicht Dein Vertrauen”). Bei den Gesprächen kam mir die Idee, nach einer Mailingliste für Vertrauensforschung zu suchen. Bislang habe ich aber nichts dergleichen gefunden. Sofern jemand einen Tipp hat - her damit. Ansonsten sollte man vielleicht einfach eine solche gründen. Hat jemand daran Interesse?
Im Bereich Netzwerke tat sich viel. Vor allem Netzwerkanalysen werden häufig genutzt. Eine echte Netzwerktheorie gab es da schon seltener. Da bin ich auf diese Woche gespannt, was in Frankfurt auf der Netzwerk-Tagung so alles gehandelt wird.
5 commentsDas neue Netz findet seinen Knoten in Bamberg
Auf gehts. Nach dem Mittagessen werde ich mit Herrn Kollegen N. nach Bamberg fahren. Diesmal hoffentlich mit ohne Stau und mit ohne Durchfahrt durch die Frankfurter Innenstadt. Das Wetter spielt auch mit, das Programm ist interessant - kann ja nur spannend werden.
No commentsSie haben es sich verdient!?
Bei Amazon ist man ja öfters. Und dass man allerhand interessante und weniger interessante Bücher angezeigt bekommt auf der Startseite… Nunja, daran hat man sich gewöhnt. Besonders interessant wird es natürlich, wenn man alle paar Tage “Informationssuche” eingibt, um zu schauen, ob sein eigenes Buch mittlerweile vom Amazon aus dem VLB aufgenommen wurde. Aber das dauert. Noch besonders interessanter ist es allerdings dabei, dass ich diesen kleinen Kasten mit der Überschrift “Sie haben es sich verdient” angezeigt bekomme. Darin die Abschlussarbeit von Rüdiger Fries “Suchverhalten im Internet” als Buch. Das Buch ist druckfrisch von 2007, die Arbeit und Studie als solche allerdings von 2005. Die TU-Darmstadt stellt freundlicherweise das Inhaltsverzeichnis als PDF bereit. Auf den 83 Inhaltsseiten (der Preis des Buches mit 49,00 EUR rührt übrigens daher, dass ein Autor bei dem VDM-Verlag keinen Zuschuss zahlen muss) wird scheinbar kurz und knapp um Information, Suchmodelle und Suchdienste. Eine wilde Mischung.Fast oder genau so wild, wie bei “Informationssuche im WWW“?
Natürlich habe ich drauf geklickt. “Sie haben es sich verdient” - klingt nach: Sie bekommen es um die Hälfte günstiger, weil Sie schon so viele Bücher zu dem Thema gekauft haben. Pustekuchen. Die Erkenntnis der Woche: Bücher sind nie umsonst. So oder so.
1 commentMash me - mash you
Ist das der nächste Schritt? Noch mehr Konvergenz? Social Web, Wiki und Suchmaschine?
Laut einem Heisebericht wird Yahoo die Wikitechnologie mit einer Social Platform kombinieren. Man darf gespannt sein.
Ein Blog zu Mash gibts übrigens auch. Dort ist zu lesen:
You can leave your profile open to contributions by trusted friends.
Interessant. Da scheint das Thema meiner Dissertation (Vertrauen in Netzwerken) noch eine weitere Dimension zu bekommen. Es wird spannend.
2 commentsNeues Buch: Informationssuche im World Wide Web
Dass Suchmaschinen der zentrale Einstiegspunkt in das WWW sind, ist unbestritten. Wie die Suche nach Informationen allerdings abläuft, wurde bislang noch wenig erforscht. Erste Antworten darauf liefert meine Studie “Informationssuche im World Wide Web”, die als Buch im wissenschaftlichen Verlag Berlin (wvb) diese Woche erschienen ist.
Zunächst werden bereits bestehende Forschungsbefunde zur Informationssuche zusammengefasst und erörtert. Im zweiten Schritt wird ein handlungstheoretisches Nutzungsmodell entwickelt, das schließlich im dritten Schritt empirisch erforscht wird.
Das angewandte Forschungsdesign integriert qualitative wie quantitative Methoden. So kommen das Laute Denken und die Blickaufzeichnung im Labor mit 30 Probanden zum Einsatz. Ferner werden Logfiles von über acht Millionen Suchanfragen von Suchmaschinen sowie Fragebögen ausgewertet. Eine teilnehmende Beobachtung von 18 Probanden über einen größeren Zeitraum wird theorieverifizierend eingesetzt.
Als Ergebnis der Untersuchung werden Taktiken und Strategien beschrieben, die bei der Informationssuche im World Wide Web angewandt werden.
Erlhofer, Sebastian (2007): Informationssuche im World Wide Web. Taktiken und Strategien bei der Nutzung von Suchmaschinen. wvb. Berlin.
2 commentsVolksfreund reloaded
Nachdem die Trierer Tageszeitung “Trierischer Volksfreund” vor etwas einem Jahr einen Relaunch Ihrer Website unternommen hat, kommt nun eine Farbkorrektur. Die www.volksfreund.de erscheint nun in einem nüchternen Eis-Weiß. Die farbliche Ähnlichkeit zu Sportalis finde ich interessant. Aber immerhin kommt die bunte Werbung gut zur Geltung.
Wie Peter schon geschrieben hat, wurde der virtuelle Avatar ‘Tina Volksfreund’ ein paar Tage vorher entfernt. Auch nicht schlimm. Denn wirklich hilfreich war das System nicht - das lag aber weniger am System selbst, als an der Tatsache, dass die Stichwortkette nicht wirklich konsequent integriert war. Von den weniger Seriosität versprühenden Aktionen auf gezielte Fragen (”zieh dich aus bitte”) ganz zu Schweigen.
Meiner Meinung nach ist der angepasste Volkfsfreund-Look zu fade und kalt für eine Lokalzeitung. Vielleicht wollte man die Akzentuierung etwas verbessern. Das ist leider aber auch nicht richtig gelungen.
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