Review: Netzwertagung in Frankfurt
Letzte Woche fand am Donnerstag und Freitag die Netzwerktagung in Frankfurt statt. Christian Stegbauer eröffnete die Tagung mit einer kurzen Einführung und nannte gleichzeitig verwundert und stolz die Fakten: Fast 150 Teilnehmer aus verschiedenen Disziplinen und 50 Vorträge. Die Keynote wurde von Klaus Liepelt (Gründer des INFAS) gehalten. Dieser kam leider erst nach 50 Minuten seiner 20 Minuten Redezeit auf Netzwerke zu sprechen, so dass der erste Tag um eine Stunde im Programm verschoben wurde. Interessant war die Präsentationstechnik: Eine PDF, die als großformatiges Poster auch im Saal hing, scrollte er in Bahnen von oben nach unten und zurück.
Vorträge gab es wie gesagt sehr viele - insgesamt war das Programm in drei parallele Panels gegliedert. Pro Vortrag waren jeweils 30 Minuten inkl. Diskussion vorgesehen, so dass ein fliegender Wechsel zwischen den Panels möglich war, was allerdings nur von den wenigsten genutzt wurde. Ich will hier jetzt nicht auf die einzelnen Vorträge eingehen, die Abstracts stehen ja auch online und Anfang 2008 wird im VS Verlag auch ein Sammelband erscheinen.
Zusammenfassend lässt sich zu den Vorträgen sagen, dass sie sehr gemischt waren. Sowohl was das untersuchte Gebiet anbelangt, als auch das Verständnis von Netzwerken. Untersuchungen zu und mit neuen Medien gab es erstaunlich wenige. Das mag an den vielen Soziologen gelegen haben, die eher mittels Namensgeneratoren und anderen direkten Befragungsmethoden ihre Netzwerke erheben. Zum Thema Vertrauen gab es interessanterweise auch keinen Vortrag, aber das werde ich dann in den nächsten Monaten / Jahren ändern. Zur Reputation, zur Akteurs-Netzwerk-Theorie, zu PowerLaw-Verteilungen und vielem anderen konnte man allerdings einiges hören. Am besten gefallen hat mir der Vortrag von Thomas Friemel aus Zürich. Er schaute auf einzelne Kommunikationsrollen in dyadischen Beziehungen.
Am ersten Abend ging es dann bei strömenden Frankfurtregen zum Apfelwein-Trinken und Essen. Das war ausgesprochen nett. Am nächsten Tag ging es dann weiter mit Vorträgen bis mittags und dann gab es eine sehr kurze Zusammenfassung und eine in meinen Augen viel zu lange Ankündigung für eine Summerschool in Mittweida (von einer Mitarbeiterin von Herrn Liepelt, so dass ich mich dem Eindruck nicht entwehren kann, dass dort alle immer sehr ausführlich reden :).
Insgesamt konnte man - wenn man wollte - eine gewisse Aufbruchstimmung fühlen. Es gibt viele Netzwerkforscher in unterschiedlichen Disziplinen. Es gab viele Fallstudien und viel Grundsätzliches. Viel Methodenvielfalt und viel Methodenkritik. Man spürt förmlich, dass das Forschungsgebiet noch sehr jung ist und sich weiterentwickelt. Ich bin gespannt, ob der Vorstoß, eine AG “Netzwerkforschung” in der DGS zu gründen, erfolgreich ist.
Achso. Meine Einreichung wurde leider übersehen und ich bekam während der Tagung noch einen Vortragsslot angeboten, den ich aber leider abgelehnt habe, weil ich überhaupt keine Daten dabei hatte (was für eine Datenpräsentation recht hilreich ist). Dafür steht mein Paper aber im Abstract-Band der Tagung und wird auch in ausführlicher Fassung im Januar im Sammelband veröffentlicht.
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