Vortrag zu „Visuelle Exploration dynamischer Konfliktnetzwerke“
Heute Vormittag hörte ich einem Vortrag von Herrn Prof. Dr. Ulrik Brandes von der Universität Konstanz, Informatik und Informationswissenschaft. Er hat zum Thema „Visuelle Exploration dynamischer Konfliktnetzwerke“ gesprochen.
Der Schwerpunkt lag dabei auf nicht-diskreten Rollenzuordnungen und deren Visualisierung in einem eigenvektorbasierten Verfahren. Als Grundlage nahm er Agenturmeldungen, die von KEDS (Kansas Event Data System) semiautomatisch auf genannte Beziehungen codiert wurden. Die Bestimmung dieser Beziehungen funktioniert mehrstufig: Zunächst werden die einzelnen Akteure identifiziert („angegriffen von der NATO“, „A gegen B“) und als Token definiert. Die Beziehungen untereinander werden dann mittels der WEIS Event Codes und den Goldenstein Scale Values klassifiziert. Eine Liste der 226 Codes findet sich zur Anschauung hier. Die Goldenstein Scale Values sind definiert zwischen -10 bis 10 und meinen sehr feindlich bis sehr freundlich. Die einzelnen WEIS Codes erklären die Art der Beziehung zwischen zwei Knoten. So ist beispielsweise „A visits B“ codiert mit „A B 032 1.9“.
Die Beziehungen der beteiligten Parteien während des Kriegs im ehemaligen Jugoslawien (Balkan Set der KEDS) wurden so dynamisch visualisiert. Im Zentrum der Forschung stand jedoch nicht die Erklärung des Balkankonfliktes, auch wenn aus den gewonnen strukturellen Erkenntnissen die Idee geboren wurde, eine Art Frühwarnsystem zu entwickeln. Vielmehr lag das Interesse im methodischen Bereich, nämlich bei der nicht-diskreten Rollenzuordnung. Einem Knoten wird im diskreten Falle immer eine einzige Rolle (oder auch gar keine) zugewiesen. Dies führt automatisch zu bestimmten Informationsverlusten. Eine nicht-diskreten Rollenzuteilung erlaubt, einer Kante mehrere Rollen zu unterschiedlichen Anteilen zuzuweisen. Mit dem vorgestellten Verfahren war es Brandes et al. möglich, einen Rollengraph als Hypothese über Eigenwerte und Eigenvektoren von mehreren Rollenmatrizen zu verifizieren. Interessant war neben vielen kleineren Details auch der „model fit“-Quotient, der beschreibt, wie gut der beschriebene bipartite Graph funktioniert.
Derzeit wird das Verfahren für n-partite Graphen ausgedehnt – Wikipedia, bzw. die Versionshistorie mit den kurzen Editieranweisungen dient als Datengrundlage. Dabei wird dann ein negativer Wert im Sinne der Goldenstein Scale Values angenommen, wenn zwei Änderungen sehr kurz hintereinander geschehen – also eine Korrektur stattfindet. Hier bemerkte Brandes, dass das Verfahren nicht hundertprozentig valide wäre. In der anschließenden Diskussion wurde hauptsächlich über die Validität der Datengrundlage gesprochen. Auch das KEDS-Material hat eine Fehlerrate von bis zu 20 Prozent.
Insgesamt war der Vortrag für mich sehr interessant. Vielen Dank dafür :)
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