Auch Heise hat das Sommerloch
In einem Heise-Artikel über Eye-Tracking veröffentlicht die Redaktion einen DPA-Artikel über die Forschergruppe aus Hohenheim, die Webseiten mittels Blickaufzeichnung evaluiert. Neu ist das nicht. Und auch diverse angesprochene Befunde sind entweder sehr stark vereinfacht und populär dargestellt oder einfach nur kurzsichtig.
Typische visuelle Blickmuster zwischen Männern und Frauen gibt es laut verschienen Studien nicht unbedingt. Und vor allem sind diese nicht typisch, wie man das vermuten könnte: Auch Frauen schauen auf weniger bekleidete Frauen. In der Laborsituation steht die soziale Erwünschtheit ohnehin in diese Punkt jedweder Erkenntnis im Wege.
Und auch Zitate wie das folgende geben zu denken:
“In Untersuchungen ist gezeigt worden, dass sich Probanden sehr viel natürlicher verhalten, wenn sie nicht das Gefühl haben, der Forscher steht dahinter und schreibt direkt mit.”
Sicherlich - es schreibt niemand mit. Aber wie natürlich verhält man sich, wenn man einen Helm mit Blickkamera auf hat oder in der etwas entschärften Situation eine Kamera direkt vor dem Monitor steht und man sich nicht allzusehr nach hinten und vorne bewegen darf (denn sonst sind die Daten ungenau und daher wird jeder Proband vorher gebrieft).
Die spannende Frage ist schließlich und letztlich: Gibt es visuelle Nutzungsmuster im Netz? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Sicherlich eine methodisch anspruchsvolle Aufgabe. Denn neben den Variablen der Probanden (Geschlecht, Alter, Weberfahrung, etc.) existieren auch verschiedene Website-Variablen (Website-Genre, Farben, Aufbau, Ansprache, Design, Grafiken, Anmutung, …) und unterschiedliche Aufgabentypen (gezielte Suche, einfaches zielloses Surfen,…). Darüber braucht ein DPA-Artikel natürlich nicht zu informieren. Ich bin gespannt, auf die wissenschaftlichen Publikationen.
In wenigen Wochen erscheint übrigens meine Studie “Informationssuche im World Wide Web” als Buch, in dem auch die Blickaufzeichnung mit 30 Probanden zum Einsatz kam. Es zeigte sich, dass es durchaus Strategien gibt zur Informationsfindung. Die sind aber sehr stark abhängig von den oben genannten Faktoren.
1 commentUnd noch ein Nielsen-Buch
Wer sich nur ein bisschen mit Usability auskennt, der kennt auch den Namen Jakob Nielsen. Und wer sich ein bisschen mit Jakob Nielsen auskennt, kennt bestimmt auch seine mittlerweile zahlreichen und beinahe doch alle legendären Bücher. Ich habe mir das neuste Werk “Web Usability” zu Gemüte geführt. Entweder habe ich mich schon (zu) viel mit Usability beschäftigt und ich gehöre nicht zur Zielgruppe oder das Buch ist einfach zu… ich weiß auch nicht. Aber man muss schon stärkste Ehrfurcht vor den Leistungen von Nielsen und Co. bekommen, wenn man das so liest, was dort an Weisheiten geschrieben steht - oder man schüttelt den Kopf. Teilweise überholt. Leider wahr. Und dabei gibt es ein eigenes Kapitel darüber, was sich seit der letzten Auflage vor gefühlten 1000 Webjahren so alles getan hat. Schön mit kleinen Totenschädeln markiert, damit man weiß, was wichtig ist und was nicht. Oder vielleicht ist es auch ein Kopfschüttel-Index?
Ein Beispiel? Na gut. Nielsen sagt: Man solle doch den Text auf einer Webseite auf die gesamte Webseite fließen lassen, weil sich sonst die Menschen mit schönen, großen Monitoren ärgern würden. Das Prinzip hat er auch auf seiner Seite www.useit.com lange praktiziert. Interessanterweise ist das Design mittlerweile zentriert und mit fester Laufweite versehen (beispielsweise hier zum Thema ROI). Mit ein bisschen Nachdenken (und wenn man es wissenschaftlicher will mit ein wenig Blickaufzeichnung) weiß man auch sofort, warum es absoluter Blödsinn ist, einen Text bis ins Ultimo fließen zu lassen - weil man beim Lesen (wenn man es denn mal tut im Web, was öfters vorkommt als alle und Nielsen behaupten) ständig zum nächsten Zeilenbeginn springen muss und das einfach schwer fällt, wenn man von ganz rechts nach ganz links über den ganzen Bildschirm springen muss.
Sei es drum. Die Welt braucht noch mehr Bücher aus diesem Bereich. Nielsen hat das auch erkannt (Bücher müssen einen unheimlichen ROI besitzen) und bald erscheint ein Buch von ihm - nein, von Kara Pernice und ihm - über Blickaufzeichnung. Das hat den ganz innovativen Titel: Eyetracking Web Usability. Das ganze wird um die 41 Euro kosten und ich werde es mir durchlesen. Weil Nielsen immer der Erste ist. Gut Nacht.
No commentsEyetracking ohne Tracking
Gerade bei Ehrensenf gesehen:
http://www.feng-gui.com - hier wird eine Heatmap algorithmisch erstellt.
Und hier findet man ein Tool, das auf Grundlage von Webserver-Logs ebenfalls Heatmaps zeichnet.
