JCMC Schwerpunkt: “Social Network Sites”
Das Journal of Computer-Mediated Communication (JCMC) hat einen Schwerpunkt in der Ausgabe Oktober 2007 13(1) herausgebracht. Das Thema lautet “Social Network Sites”. Herausgeber sind neben Susan Herring, Danah Boyd und Nicole Ellison. Die Texte sind als HTML-Texte öffentlich online verfügbar, die Übersichtsliste mit Abstracts findet man hier.
Hier eine Übersicht über die Beiträge:
- “Social Network Sites: Definition, History, and Scholarship” by Danah Boyd and Nicole Ellison
- “Signals in Social Supernets” by Judith Donath
- “Social Network Profiles as Taste Performances” by Hugo Liu
- “Whose Space? Differences Among Users and Non-Users of Social Network Sites” by Eszter Hargittai
- “Cying for Me, Cying for Us: Relational Dialectics in a Korean Social Network Site” by Kyung-Hee Kim and Haejin Yun
- “Public Discourse, Community Concerns, and Civic Engagement: Exploring Black Social Networking Traditions on BlackPlanet.com” by Dara Byrne
- “Mobile Social Networks and Social Practice: A Case Study of Dodgeball” by Lee Humphreys
- “Publicly Private and Privately Public: Social Networking on YouTube” by Patricia Lange
CfP: “new techniques and new approaches in SNA”
Wer des Französischen und der Netzwerkforschung zugeneigt ist, der nehme den Call for Papers zur Kenntnis:
http://www.cmh.pro.ens.fr/reseaux-sociaux/hoprubrique.php?id_rub=5
Missing Data in Networks
Ich lese und sammle gerade Literatur für ein Buchkapitel, das ich am schreiben bin. Da geht es um fehlende Daten in Netzwerken, welchen Effekt sie haben und wie man sie vermeiden kann. Auf den wenigen Seiten wird es aber nicht um eine mathematische oder sozialwissenschaftliche Anleitung gehen, sondern ich versuche eher einen status quo zu skizzieren. Irgendwie ironisch. Diese Woche ist mein Arbeitsplatzrechner (”missing data”) geklaut worden.
No commentsREACH: ResearcherVZ statt studiVZ
In Bamberg wurde vorletzte Woche der “Netzwerkgedanke” beim DNN2007 zwischen Wissenschaftlern recht groß geschrieben. In irgendeinem Gespräch (der Komm.Partner möge sich hier melden) kam auf, wieso es denn kein Verzeichnis für Wissenschaftler gäbe, ähnlich wie XING oder studiVZ. Der Gedanke ist so blöd gar nicht - man stelle sich eine Plattform vor, auf der Wissenschaftler vertreten sind. Man könnte “Freundschafts-” und Kooperationsnetzwerke zeichnen, man könnte Experten zu verschiedenen Bereichen finden und man könnte das System “Wissenschaft” transparenter machen. Also warum nicht researchvz.de gründen (hiermit melde ich das Patent an!). Aber eine geschlossene Plattform wie XING oder studiVZ verdient eigentlich nicht - wie Klaus (ProjektBlog) in Bamberg aus Informatikersicht mehrfach äußerte - nicht so recht den Web 2.0 Gedanken, weil es ja doch nur ein Anbieter ist, der die Plattform bereit stellt. Ähnlich wie übrigens bei SecondLife, um das es so still geworden ist.
Daher hier der Vorschlag und Vorstoß: Man entwickle einen Standard, der dann im gesamten Web auf den einzelnen Seiten der jeweiligen Wissenschaftler (z.B. auf Blogs) platziert wird. Das ganze bekommt einfach mal den Arbeitstitel: REACH - für REsearch And exCHange :)
Technisch könnte es eine standardisierte XML-Datei sein, die z.B. folgende Daten beinhaltet:
- Name, Vorname, Titel
- Arbeitsplatz
- Arbeitsschwerpunkte
- Forsche aktuell an
- Projekte
- Thema der Diss, Habil, M.A. o.ä.
- URL zum Bild
- etc.
Wenn ich ein bisschen Zeit habe, werde ich bald mal ein exemplarisches XML aufsetzten. Eine Suchmaschine könnte auf reachvz.de beispielsweise die verteilten XML-Dateien auffindbar machen (nach Anmeldung). Da könnte man auch ein Formular anbieten, mit dem man sozusagen sein “Profil” initial auch anlegen kann.
Das ganze wäre dann zumindest ein offenes, verteiltes Social-Network. Ich bin auf Reaktionen gespannt :)
1 commentReview: Netzwertagung in Frankfurt
Letzte Woche fand am Donnerstag und Freitag die Netzwerktagung in Frankfurt statt. Christian Stegbauer eröffnete die Tagung mit einer kurzen Einführung und nannte gleichzeitig verwundert und stolz die Fakten: Fast 150 Teilnehmer aus verschiedenen Disziplinen und 50 Vorträge. Die Keynote wurde von Klaus Liepelt (Gründer des INFAS) gehalten. Dieser kam leider erst nach 50 Minuten seiner 20 Minuten Redezeit auf Netzwerke zu sprechen, so dass der erste Tag um eine Stunde im Programm verschoben wurde. Interessant war die Präsentationstechnik: Eine PDF, die als großformatiges Poster auch im Saal hing, scrollte er in Bahnen von oben nach unten und zurück.
Vorträge gab es wie gesagt sehr viele - insgesamt war das Programm in drei parallele Panels gegliedert. Pro Vortrag waren jeweils 30 Minuten inkl. Diskussion vorgesehen, so dass ein fliegender Wechsel zwischen den Panels möglich war, was allerdings nur von den wenigsten genutzt wurde. Ich will hier jetzt nicht auf die einzelnen Vorträge eingehen, die Abstracts stehen ja auch online und Anfang 2008 wird im VS Verlag auch ein Sammelband erscheinen.
Zusammenfassend lässt sich zu den Vorträgen sagen, dass sie sehr gemischt waren. Sowohl was das untersuchte Gebiet anbelangt, als auch das Verständnis von Netzwerken. Untersuchungen zu und mit neuen Medien gab es erstaunlich wenige. Das mag an den vielen Soziologen gelegen haben, die eher mittels Namensgeneratoren und anderen direkten Befragungsmethoden ihre Netzwerke erheben. Zum Thema Vertrauen gab es interessanterweise auch keinen Vortrag, aber das werde ich dann in den nächsten Monaten / Jahren ändern. Zur Reputation, zur Akteurs-Netzwerk-Theorie, zu PowerLaw-Verteilungen und vielem anderen konnte man allerdings einiges hören. Am besten gefallen hat mir der Vortrag von Thomas Friemel aus Zürich. Er schaute auf einzelne Kommunikationsrollen in dyadischen Beziehungen.
Am ersten Abend ging es dann bei strömenden Frankfurtregen zum Apfelwein-Trinken und Essen. Das war ausgesprochen nett. Am nächsten Tag ging es dann weiter mit Vorträgen bis mittags und dann gab es eine sehr kurze Zusammenfassung und eine in meinen Augen viel zu lange Ankündigung für eine Summerschool in Mittweida (von einer Mitarbeiterin von Herrn Liepelt, so dass ich mich dem Eindruck nicht entwehren kann, dass dort alle immer sehr ausführlich reden :).
Insgesamt konnte man - wenn man wollte - eine gewisse Aufbruchstimmung fühlen. Es gibt viele Netzwerkforscher in unterschiedlichen Disziplinen. Es gab viele Fallstudien und viel Grundsätzliches. Viel Methodenvielfalt und viel Methodenkritik. Man spürt förmlich, dass das Forschungsgebiet noch sehr jung ist und sich weiterentwickelt. Ich bin gespannt, ob der Vorstoß, eine AG “Netzwerkforschung” in der DGS zu gründen, erfolgreich ist.
Achso. Meine Einreichung wurde leider übersehen und ich bekam während der Tagung noch einen Vortragsslot angeboten, den ich aber leider abgelehnt habe, weil ich überhaupt keine Daten dabei hatte (was für eine Datenpräsentation recht hilreich ist). Dafür steht mein Paper aber im Abstract-Band der Tagung und wird auch in ausführlicher Fassung im Januar im Sammelband veröffentlicht.
No commentsMash me - mash you
Ist das der nächste Schritt? Noch mehr Konvergenz? Social Web, Wiki und Suchmaschine?
Laut einem Heisebericht wird Yahoo die Wikitechnologie mit einer Social Platform kombinieren. Man darf gespannt sein.
Ein Blog zu Mash gibts übrigens auch. Dort ist zu lesen:
You can leave your profile open to contributions by trusted friends.
Interessant. Da scheint das Thema meiner Dissertation (Vertrauen in Netzwerken) noch eine weitere Dimension zu bekommen. Es wird spannend.
2 commentsGOR 2008 - alles Netzwerk?
Nicht ganz. Aber fast. Zumindest sind Netzwerke absolut in. Das zeigt auch das Call For Papers für die GOR 2008. Das gibt sicherlich ein paar interessante Vorträge.
No commentsNetze und Netzwerke
Gerade drauf gestoßen: Die Website Netze und Netzwerke. Im Untertitel trägt die Site “Passagen durch die Geschichte des Netzwerk-Wissens”. Man findet allerlei Inhalte und PDFs vom Eisenbahnnetzwerk über Begriffsverständigkeitsbefindlichkeiten zu Netzwerken, bis hin zu interessanten Ideen zum Thema Netzwerke.
Die Site ist von Sebastian Gießmann. Zumindest laut Impressum. Ein “über uns” gibt es allerdings nicht. Insofern weiß ich nicht, aus welcher Motivation oder aus welcher Richtung heraus die Autoren schreiben. Fazit: Interessant.
No commentsMathematik und Netzwerke
Ein kleines, aber feines Paper zur Mathematik und Graphen (aka Netzwerke) gibt es hier als 12-seitiges PDF von Mark Newman. Weitere interessante Publikationen von ihm findet man in seiner Publikationsliste.
3 commentsVortrag zu „Visuelle Exploration dynamischer Konfliktnetzwerke“
Heute Vormittag hörte ich einem Vortrag von Herrn Prof. Dr. Ulrik Brandes von der Universität Konstanz, Informatik und Informationswissenschaft. Er hat zum Thema „Visuelle Exploration dynamischer Konfliktnetzwerke“ gesprochen.
Der Schwerpunkt lag dabei auf nicht-diskreten Rollenzuordnungen und deren Visualisierung in einem eigenvektorbasierten Verfahren. Als Grundlage nahm er Agenturmeldungen, die von KEDS (Kansas Event Data System) semiautomatisch auf genannte Beziehungen codiert wurden. Die Bestimmung dieser Beziehungen funktioniert mehrstufig: Zunächst werden die einzelnen Akteure identifiziert („angegriffen von der NATO“, „A gegen B“) und als Token definiert. Die Beziehungen untereinander werden dann mittels der WEIS Event Codes und den Goldenstein Scale Values klassifiziert. Eine Liste der 226 Codes findet sich zur Anschauung hier. Die Goldenstein Scale Values sind definiert zwischen -10 bis 10 und meinen sehr feindlich bis sehr freundlich. Die einzelnen WEIS Codes erklären die Art der Beziehung zwischen zwei Knoten. So ist beispielsweise „A visits B“ codiert mit „A B 032 1.9“.
Die Beziehungen der beteiligten Parteien während des Kriegs im ehemaligen Jugoslawien (Balkan Set der KEDS) wurden so dynamisch visualisiert. Im Zentrum der Forschung stand jedoch nicht die Erklärung des Balkankonfliktes, auch wenn aus den gewonnen strukturellen Erkenntnissen die Idee geboren wurde, eine Art Frühwarnsystem zu entwickeln. Vielmehr lag das Interesse im methodischen Bereich, nämlich bei der nicht-diskreten Rollenzuordnung. Einem Knoten wird im diskreten Falle immer eine einzige Rolle (oder auch gar keine) zugewiesen. Dies führt automatisch zu bestimmten Informationsverlusten. Eine nicht-diskreten Rollenzuteilung erlaubt, einer Kante mehrere Rollen zu unterschiedlichen Anteilen zuzuweisen. Mit dem vorgestellten Verfahren war es Brandes et al. möglich, einen Rollengraph als Hypothese über Eigenwerte und Eigenvektoren von mehreren Rollenmatrizen zu verifizieren. Interessant war neben vielen kleineren Details auch der „model fit“-Quotient, der beschreibt, wie gut der beschriebene bipartite Graph funktioniert.
Derzeit wird das Verfahren für n-partite Graphen ausgedehnt – Wikipedia, bzw. die Versionshistorie mit den kurzen Editieranweisungen dient als Datengrundlage. Dabei wird dann ein negativer Wert im Sinne der Goldenstein Scale Values angenommen, wenn zwei Änderungen sehr kurz hintereinander geschehen – also eine Korrektur stattfindet. Hier bemerkte Brandes, dass das Verfahren nicht hundertprozentig valide wäre. In der anschließenden Diskussion wurde hauptsächlich über die Validität der Datengrundlage gesprochen. Auch das KEDS-Material hat eine Fehlerrate von bis zu 20 Prozent.
Insgesamt war der Vortrag für mich sehr interessant. Vielen Dank dafür :)
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