Unfindbar?
Es liegt sicherlich nicht daran, dass heute Google den ganzen Tag schon eine schwarze Hintergrund”beleuchtung” hat. Man findet ja öfters einmal Begriffe _nicht_ in Google. Bei den Worten Kantenvollständigkeit und Knotenvollständigkeit wird sich das ändern, sobald der GoogleCrawler dies hier liest.
Die beiden Begriffe sind übrigens keine Gepardenbachforellen-Schifffahrtspatentmütze oder was auch immer, sondern Begriffe in meinem Buchbeitrag zur Stichprobentheorie in der Netzwerkanalyse.
No commentsJCMC Schwerpunkt: “Social Network Sites”
Das Journal of Computer-Mediated Communication (JCMC) hat einen Schwerpunkt in der Ausgabe Oktober 2007 13(1) herausgebracht. Das Thema lautet “Social Network Sites”. Herausgeber sind neben Susan Herring, Danah Boyd und Nicole Ellison. Die Texte sind als HTML-Texte öffentlich online verfügbar, die Übersichtsliste mit Abstracts findet man hier.
Hier eine Übersicht über die Beiträge:
- “Social Network Sites: Definition, History, and Scholarship” by Danah Boyd and Nicole Ellison
- “Signals in Social Supernets” by Judith Donath
- “Social Network Profiles as Taste Performances” by Hugo Liu
- “Whose Space? Differences Among Users and Non-Users of Social Network Sites” by Eszter Hargittai
- “Cying for Me, Cying for Us: Relational Dialectics in a Korean Social Network Site” by Kyung-Hee Kim and Haejin Yun
- “Public Discourse, Community Concerns, and Civic Engagement: Exploring Black Social Networking Traditions on BlackPlanet.com” by Dara Byrne
- “Mobile Social Networks and Social Practice: A Case Study of Dodgeball” by Lee Humphreys
- “Publicly Private and Privately Public: Social Networking on YouTube” by Patricia Lange
Informationssuche im WWW
Nicht nur
Wissenschafter, die sich für die Informationssuche im Web interessieren, suchen immer häufiger über Google ihre Literatur - das ist nichts Neues. Das bedeutet, dass Bücher, die in Google “oben” zu finden sind, auch häufiger gelesen werden?
Mein Buch “Informationssuche im World Wide Web” beschäftigt sich auf jeden Fall mit der Informationssuche im Web. Schlimm genug, dass es bei dem Suchbegriff “Informationssuche” in Google nicht unter den ersten 50 Treffern auftaucht. Das soll sich hiermit ändern. Zu einer guten suchmaschinenoptimierten Seite gehört natürlich, dass das Keyword (hier: Informationssuche) häufig auftaucht. Das wollen wir einmal probieren, ohne dass es Sie als Leser stört (manche behaupten, dass funktioniert nicht). Read more
5 commentsREACH: ResearcherVZ statt studiVZ
In Bamberg wurde vorletzte Woche der “Netzwerkgedanke” beim DNN2007 zwischen Wissenschaftlern recht groß geschrieben. In irgendeinem Gespräch (der Komm.Partner möge sich hier melden) kam auf, wieso es denn kein Verzeichnis für Wissenschaftler gäbe, ähnlich wie XING oder studiVZ. Der Gedanke ist so blöd gar nicht - man stelle sich eine Plattform vor, auf der Wissenschaftler vertreten sind. Man könnte “Freundschafts-” und Kooperationsnetzwerke zeichnen, man könnte Experten zu verschiedenen Bereichen finden und man könnte das System “Wissenschaft” transparenter machen. Also warum nicht researchvz.de gründen (hiermit melde ich das Patent an!). Aber eine geschlossene Plattform wie XING oder studiVZ verdient eigentlich nicht - wie Klaus (ProjektBlog) in Bamberg aus Informatikersicht mehrfach äußerte - nicht so recht den Web 2.0 Gedanken, weil es ja doch nur ein Anbieter ist, der die Plattform bereit stellt. Ähnlich wie übrigens bei SecondLife, um das es so still geworden ist.
Daher hier der Vorschlag und Vorstoß: Man entwickle einen Standard, der dann im gesamten Web auf den einzelnen Seiten der jeweiligen Wissenschaftler (z.B. auf Blogs) platziert wird. Das ganze bekommt einfach mal den Arbeitstitel: REACH - für REsearch And exCHange :)
Technisch könnte es eine standardisierte XML-Datei sein, die z.B. folgende Daten beinhaltet:
- Name, Vorname, Titel
- Arbeitsplatz
- Arbeitsschwerpunkte
- Forsche aktuell an
- Projekte
- Thema der Diss, Habil, M.A. o.ä.
- URL zum Bild
- etc.
Wenn ich ein bisschen Zeit habe, werde ich bald mal ein exemplarisches XML aufsetzten. Eine Suchmaschine könnte auf reachvz.de beispielsweise die verteilten XML-Dateien auffindbar machen (nach Anmeldung). Da könnte man auch ein Formular anbieten, mit dem man sozusagen sein “Profil” initial auch anlegen kann.
Das ganze wäre dann zumindest ein offenes, verteiltes Social-Network. Ich bin auf Reaktionen gespannt :)
1 commentReview: Netzwertagung in Frankfurt
Letzte Woche fand am Donnerstag und Freitag die Netzwerktagung in Frankfurt statt. Christian Stegbauer eröffnete die Tagung mit einer kurzen Einführung und nannte gleichzeitig verwundert und stolz die Fakten: Fast 150 Teilnehmer aus verschiedenen Disziplinen und 50 Vorträge. Die Keynote wurde von Klaus Liepelt (Gründer des INFAS) gehalten. Dieser kam leider erst nach 50 Minuten seiner 20 Minuten Redezeit auf Netzwerke zu sprechen, so dass der erste Tag um eine Stunde im Programm verschoben wurde. Interessant war die Präsentationstechnik: Eine PDF, die als großformatiges Poster auch im Saal hing, scrollte er in Bahnen von oben nach unten und zurück.
Vorträge gab es wie gesagt sehr viele - insgesamt war das Programm in drei parallele Panels gegliedert. Pro Vortrag waren jeweils 30 Minuten inkl. Diskussion vorgesehen, so dass ein fliegender Wechsel zwischen den Panels möglich war, was allerdings nur von den wenigsten genutzt wurde. Ich will hier jetzt nicht auf die einzelnen Vorträge eingehen, die Abstracts stehen ja auch online und Anfang 2008 wird im VS Verlag auch ein Sammelband erscheinen.
Zusammenfassend lässt sich zu den Vorträgen sagen, dass sie sehr gemischt waren. Sowohl was das untersuchte Gebiet anbelangt, als auch das Verständnis von Netzwerken. Untersuchungen zu und mit neuen Medien gab es erstaunlich wenige. Das mag an den vielen Soziologen gelegen haben, die eher mittels Namensgeneratoren und anderen direkten Befragungsmethoden ihre Netzwerke erheben. Zum Thema Vertrauen gab es interessanterweise auch keinen Vortrag, aber das werde ich dann in den nächsten Monaten / Jahren ändern. Zur Reputation, zur Akteurs-Netzwerk-Theorie, zu PowerLaw-Verteilungen und vielem anderen konnte man allerdings einiges hören. Am besten gefallen hat mir der Vortrag von Thomas Friemel aus Zürich. Er schaute auf einzelne Kommunikationsrollen in dyadischen Beziehungen.
Am ersten Abend ging es dann bei strömenden Frankfurtregen zum Apfelwein-Trinken und Essen. Das war ausgesprochen nett. Am nächsten Tag ging es dann weiter mit Vorträgen bis mittags und dann gab es eine sehr kurze Zusammenfassung und eine in meinen Augen viel zu lange Ankündigung für eine Summerschool in Mittweida (von einer Mitarbeiterin von Herrn Liepelt, so dass ich mich dem Eindruck nicht entwehren kann, dass dort alle immer sehr ausführlich reden :).
Insgesamt konnte man - wenn man wollte - eine gewisse Aufbruchstimmung fühlen. Es gibt viele Netzwerkforscher in unterschiedlichen Disziplinen. Es gab viele Fallstudien und viel Grundsätzliches. Viel Methodenvielfalt und viel Methodenkritik. Man spürt förmlich, dass das Forschungsgebiet noch sehr jung ist und sich weiterentwickelt. Ich bin gespannt, ob der Vorstoß, eine AG “Netzwerkforschung” in der DGS zu gründen, erfolgreich ist.
Achso. Meine Einreichung wurde leider übersehen und ich bekam während der Tagung noch einen Vortragsslot angeboten, den ich aber leider abgelehnt habe, weil ich überhaupt keine Daten dabei hatte (was für eine Datenpräsentation recht hilreich ist). Dafür steht mein Paper aber im Abstract-Band der Tagung und wird auch in ausführlicher Fassung im Januar im Sammelband veröffentlicht.
No commentsZurück aus Bamberg
Letzten Freitag und Samstag fand der Workshop “Das neue Netz” (dnn2007) im Bamberg statt. Die Veranstaltung war eine gelungene Mischung aus Vorträgen und anschließendem Freiraum für Diskussionen. Ich will hier nicht die einzelnen Slots oder Themenpunkte zusammenfassen. Das macht Tina Guenther bereits sehr schön (wie auch Theo bemerkt) und auf http://www.dasneuenetz.de sind auch alle Folien online einzusehen.
Interessant war neben den einzelnen thematischen Vorträgen zum neuen Netz vor allem die gewisse Ratlosigkeit beim WrapUp des ersten Tages, was denn nun das neue Web 2.0 sei. Dabei wurde von einigen für die Abschaffung des Hype-Begriffs für die Forschung plädiert, eine technische Beschreibung wurde versucht und einige andere mit und ohne unterschiedliche Aspekte. Klar wurde dabei vor allem: Was das neue Netz (wenn es überhaupt das web 2.0 ist) denn eigentlich aus wissenschaftlicher Perspektive ist, ist eigentlich niemandem so richtig deutlich. Ich denke hier sollte auf jeden Fall ein Versuch unternommen werden, das Phänomen auch definitorisch zumindest einzugrenzen. Abends beim Bier kam die Idee auf, jeder dürfe ein kleinen Beitrag in Form eines Wortes dazu leisten. Vielleicht ist das gar keine so schlechte Idee - oder es zeigt sich, dass auch das web 2.0 im Auge des Betrachters liegt. :)
Neben dem “neuen Netz” waren wichtige Themen des Workshops Vertrauen und Netzwerke. Das freut mich natürlich, weil ich beides in meiner Dissertation miteinander verbinden will. Leider wurden beide Begriffe häufig mit einem sehr alltäglichen Verständnis genutzt, was hier und da die Kommunikation erschwerte und zu Verwechslungen führte (”mein Vertrauen ist gar nicht Dein Vertrauen”). Bei den Gesprächen kam mir die Idee, nach einer Mailingliste für Vertrauensforschung zu suchen. Bislang habe ich aber nichts dergleichen gefunden. Sofern jemand einen Tipp hat - her damit. Ansonsten sollte man vielleicht einfach eine solche gründen. Hat jemand daran Interesse?
Im Bereich Netzwerke tat sich viel. Vor allem Netzwerkanalysen werden häufig genutzt. Eine echte Netzwerktheorie gab es da schon seltener. Da bin ich auf diese Woche gespannt, was in Frankfurt auf der Netzwerk-Tagung so alles gehandelt wird.
5 commentsDas neue Netz findet seinen Knoten in Bamberg
Auf gehts. Nach dem Mittagessen werde ich mit Herrn Kollegen N. nach Bamberg fahren. Diesmal hoffentlich mit ohne Stau und mit ohne Durchfahrt durch die Frankfurter Innenstadt. Das Wetter spielt auch mit, das Programm ist interessant - kann ja nur spannend werden.
No commentsNeues Buch: Informationssuche im World Wide Web
Dass Suchmaschinen der zentrale Einstiegspunkt in das WWW sind, ist unbestritten. Wie die Suche nach Informationen allerdings abläuft, wurde bislang noch wenig erforscht. Erste Antworten darauf liefert meine Studie “Informationssuche im World Wide Web”, die als Buch im wissenschaftlichen Verlag Berlin (wvb) diese Woche erschienen ist.
Zunächst werden bereits bestehende Forschungsbefunde zur Informationssuche zusammengefasst und erörtert. Im zweiten Schritt wird ein handlungstheoretisches Nutzungsmodell entwickelt, das schließlich im dritten Schritt empirisch erforscht wird.
Das angewandte Forschungsdesign integriert qualitative wie quantitative Methoden. So kommen das Laute Denken und die Blickaufzeichnung im Labor mit 30 Probanden zum Einsatz. Ferner werden Logfiles von über acht Millionen Suchanfragen von Suchmaschinen sowie Fragebögen ausgewertet. Eine teilnehmende Beobachtung von 18 Probanden über einen größeren Zeitraum wird theorieverifizierend eingesetzt.
Als Ergebnis der Untersuchung werden Taktiken und Strategien beschrieben, die bei der Informationssuche im World Wide Web angewandt werden.
Erlhofer, Sebastian (2007): Informationssuche im World Wide Web. Taktiken und Strategien bei der Nutzung von Suchmaschinen. wvb. Berlin.
2 commentsMathematik und Netzwerke
Ein kleines, aber feines Paper zur Mathematik und Graphen (aka Netzwerke) gibt es hier als 12-seitiges PDF von Mark Newman. Weitere interessante Publikationen von ihm findet man in seiner Publikationsliste.
3 commentsAuch Heise hat das Sommerloch
In einem Heise-Artikel über Eye-Tracking veröffentlicht die Redaktion einen DPA-Artikel über die Forschergruppe aus Hohenheim, die Webseiten mittels Blickaufzeichnung evaluiert. Neu ist das nicht. Und auch diverse angesprochene Befunde sind entweder sehr stark vereinfacht und populär dargestellt oder einfach nur kurzsichtig.
Typische visuelle Blickmuster zwischen Männern und Frauen gibt es laut verschienen Studien nicht unbedingt. Und vor allem sind diese nicht typisch, wie man das vermuten könnte: Auch Frauen schauen auf weniger bekleidete Frauen. In der Laborsituation steht die soziale Erwünschtheit ohnehin in diese Punkt jedweder Erkenntnis im Wege.
Und auch Zitate wie das folgende geben zu denken:
“In Untersuchungen ist gezeigt worden, dass sich Probanden sehr viel natürlicher verhalten, wenn sie nicht das Gefühl haben, der Forscher steht dahinter und schreibt direkt mit.”
Sicherlich - es schreibt niemand mit. Aber wie natürlich verhält man sich, wenn man einen Helm mit Blickkamera auf hat oder in der etwas entschärften Situation eine Kamera direkt vor dem Monitor steht und man sich nicht allzusehr nach hinten und vorne bewegen darf (denn sonst sind die Daten ungenau und daher wird jeder Proband vorher gebrieft).
Die spannende Frage ist schließlich und letztlich: Gibt es visuelle Nutzungsmuster im Netz? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Sicherlich eine methodisch anspruchsvolle Aufgabe. Denn neben den Variablen der Probanden (Geschlecht, Alter, Weberfahrung, etc.) existieren auch verschiedene Website-Variablen (Website-Genre, Farben, Aufbau, Ansprache, Design, Grafiken, Anmutung, …) und unterschiedliche Aufgabentypen (gezielte Suche, einfaches zielloses Surfen,…). Darüber braucht ein DPA-Artikel natürlich nicht zu informieren. Ich bin gespannt, auf die wissenschaftlichen Publikationen.
In wenigen Wochen erscheint übrigens meine Studie “Informationssuche im World Wide Web” als Buch, in dem auch die Blickaufzeichnung mit 30 Probanden zum Einsatz kam. Es zeigte sich, dass es durchaus Strategien gibt zur Informationsfindung. Die sind aber sehr stark abhängig von den oben genannten Faktoren.
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